Iwwer d’Gemengepolitik

E flotte Leitartikel war den 9. September am wort ze liesen zum Thema Gemengewahlen, d’Engagement vun de Kandidaten an den Interessi vun de Wieler:

Arbeit an der Basis
„Kaum Spielraum für persönliche Ambitionen.“
CLAUDE FEYEREISEN
Der heutige Freitag, der 9. September 2011, ist der Stichtag im Vorfeld der Kommunalwahlen vom kommenden 9. Oktober schlechthin: Bis spätestens um 18 Uhr haben die Parteien Zeit, ihre Kandidatenlisten für die 43 Proporzgemeinden bei den Präsidenten der Hauptwahlbüros der jeweiligen Gemeinden einzureichen. Derselbe Termin gilt in den 73 Majorzgemeinden für die an einem Gemeinderatsmandat interessierten Bürger, sich als Kandidat einzuschreiben. Ab dann heißt es: „Rien ne va plus“.Ein Glücksspiel sind die Gemeinderatswahlen aber wahrlich nicht. Die über 3 000 Frauen und Männer, die sich in ihren jeweiligen Gemeinden in den Dienst ihrer Mitbürger stellen (wollen), bezeugen eindrücklich, welchen Stellenwert die Kommunalpolitik hier zu Lande genießt – allen Unkenrufen zum Trotz. Von der an den Stammtischen immer wieder gerne bemühten Politikverdrossenheit kann jedenfalls keine Rede sein. Zumindest nicht bei den Kandidaten.

Mit dem offiziellen Startschuss für den Wahlkampf wird aber auch die Wählerschaft in die Pflicht genommen, das Geschehen in ihrer jeweiligen Gemeinde beziehungsweise die Leistungen der Politiker Revue passieren zu lassen und sich konkret mit den Kandidaten der Kommunalwahlen vom 9. Oktober zu befassen. In gewisser Weise ist der Wähler es dem Kandidaten sogar schuldig.

Letztere sind nämlich allesamt gleichermaßen mündige wie mutige Bürger, die sich für das Allgemeinwohl einzusetzen bereit sind. Obwohl sie wissen – oder auch bereits am eigenen Leibe erfahren haben –, dass diese hehre Aufgabe sich als eine undankbare erweisen kann.

Manch einem schlägt nämlich – und das nicht nur aus dem Lager der Politikverdrossenen – statt Respekt Missachtung entgegen. Manch einem wird das Engagement für das Allgemeinwohl gar in Abrede gestellt und der Vorwurf persönlicher Ambitionen gemacht. Keine ermutigende Ausgangslage!

Solche Fälle mag es sicherlich geben, doch sind sie eher die Ausnahme als die Regel, zumal der Spielraum für persönliche Ambitionen in der kommunalen Politik weitaus enger abgesteckt ist als in der nationalen. Entsprechend wahrhaftig ist denn auch das Engagement der Kandidaten, entsprechend ehrlich ist ihre Sorge um das Wohlergehen ihrer Mitbürger, entsprechend greifbar ist ihr politisches Handeln.

Kommunalpolitik ist Arbeit an der Basis. Nirgendwo sonst in der Welt der Politik ist der Kontakt mit dem (wählenden) Bürger so unmittelbar. Entsprechend groß ist die Bedeutung der anstehenden Gemeinderatswahlen, die bislang aber nur bedingt – bedingt durch die Sommerferien – von Bedeutung waren.

Die Bürger sollten sich in den kommenden Tagen und Wochen bis zum 9. Oktober eben diese Bedeutung vor Augen führen und den selbstlosen Einsatz der Kandidaten durch tatsächliches Interesse würdigen. Denn die kommunale Politik ist in gewissem Maße der Nährboden der großen, der nationalen Politik.

claude.feyereisen@wort.lu
Verlag: Luxemburger Wort Publikation: Luxemburger Wort
Ausgabe: Nr.210  Datum: Freitag, den 09. September 2011
Seite: Nr.3